Ein wunderschöner Sonntag: Die Sonne scheint aufs Erdbeerfeld, ein duftiges Lüftchen weht vom Schlachthof herüber, Lerchen singen mir bei der Arbeit ein Lied, Grillen schrammeln auf ihren Beinen, man hört das leise Summen der Autobahn – dann und wann melodisch übertönt vom extatischen Gasgeben eines Motoradfahrers und dem umpfumpf eines tiefergelegten Golfs.
Während meine Haut die Farbe eines gekochten Krebses, der gefühlte Umfang meiner Unterarme Popeyesche Ausmaße und meine Hände irreversibel die inverse Form des Gabelstiels annehmen, machen sich meine Gedanken mal wieder auf ihre eigenen Wege.
Heute ist Muttertag und ich bin dagegen. Irgendwie hat dieser Tag “oi Gschmäckle”, wie die Schwaben sagen würden. Dieses Gschmäckle ist das, was die Nationalsozialisten aus dem Muttertag gemacht haben: einen Tag zur Ehrung der gebärfreudigen Frau.
Es ist nicht so, dass ich schmälern möchte, was Mütter leisten. Im Gegensatz zu Schweinemüttern, deren Ferkel nach 4 Wochen abgesetzt werden, begleiten Menschenmütter ihre Kinder ein Leben lang. Dazu kommen im Gegensatz zu Schweinen noch Pubertät, der ständige Zwang, neue Klamotten kaufen zu müssen, die Angst, dass aus dem Nachwuchs nix Anständiges wird, die Verzweiflung, wenn man später sieht, dass aus ihm nix Anständiges geworden ist und und und. (Zum Glück bin ich kein Politiker, denn dieser politisch inkorrekte Vergleich würde sicher zu meiner Absetzung führen)
Ich werde weiterhin nur den Internationalen Frauentag (8.März) feiern! Da wird die Frau nicht auf ihren eventuellen Status als Mutter reduziert, sondern als alles gefeiert, was sie sein kann: kompetente Kollegin, herzliche Chefin, verschwiegene Freundin, trinkfreudiger Kumpel, verfressene Geliebte, Tocher ihrer Eltern und manchmal auch Mutter.
Zudem ist der Internationale Frauentag heute auch ein Kampftag, an dem die UN sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzt und das gefällt mir wesentlich besser als die pure Mutterbeweihräucherung.
Machen wirs wie die Russen und viele andere schon: bei denen ist der 8. März Nationalfeiertag.
Und ansonsten treffen wir uns nächstes Jahr wieder zum Feiern in der Sauna in Neukölln!



