Wie an so vielen Abenden stieg ich auch heute wieder viel zu spät in meine S-Bahn nach Hause.
Während normale Menschen um die Zeit bereits vom Innsbrucker Akkordeonfestival träumen, ehrenhaft in der Bibliothek über ihren Fachbüchern eingeschlafen sind oder mit x3 im Bett liegen, füllt sich die Bahn mit dem Rest der Menschheit: Gern mit einem Stehplatz begnügen sich da workaholige viereckaugentragende Zombies (wann erfindet mal einer runde Bildschirme?!), die sich php-, ajax- oder sql-Bücher-lesenderweise nach Hause schleppen.
Weiterhin wären da zu erwähnen die selig angeheitert schwankenden Rentnergruppen, die nun auch mal wieder im jugendlichen Leichtsinn schlüpfrige Lieder singen dürfen und mit Saufparolen das ganze Abteil vermeintlich unterhalten (schon morgen müssen genau die wieder alle giftig angucken, die sich laut unterhalten oder gar lachen).
Dagegen fast unauffällig aber kaum weniger nervend sind die diesmal wirklich jugendlichen Schicksen und Minimachos, die immer vergessen, die Ohrstöpsel ihrer iPods richtig herum ins Ohr zu stecken. Genau zwei solchen saß(!) ich heute gegenüber. Der mp3-Player der Schickse gab bald seinen Geist auf und erleichtert schlief sie endlich ein.
Dem superhip gestylten Typi fielen vor lauter Bass fast die Stecker aus dem Ohr als sein Telefon klingelte. Er antwortete mit “Privet Mamutschka” – also russisch. Ich wollte nicht ;o) aber unweigerlich musste ich das Gespräch mithören. Der rüpelig aussehende Macho wünschte seiner Mutter einen schönen Abend und erklärte ihr dann mit sanfter Stimme seinen Arbeitsplan für diese Woche und nach ein paar weiteren Sätzen nahte der Abschied, bei dem er ihr das Beste wünschte und sich zärtlich mit den Worten “Я тебя люблю очень, мамучка” (Ich liebe dich sehr, Mamilein) verabschiedete.
Da wurde ich ja fast schon melancholisch, die Russen und ihre Verniedlichungen … *думаю о Коли* :o)
Naja, das Fazit: Man (bzw. ich) sollte nicht vergessen, dass in jedem auf den ersten Blick komischen Typen ein sensibles Herz schlagen kann. Und: Russisch ist toll.



