Leere.
Ich träume davon, dass ich eines Tages die meisten meiner Besitztümer losgeworden bin. Ein hellblauer Raum mit einem Tisch, meinem geliebten Wackelstuhl, einem High-End-Rechner, einem Bett und vielleicht einem Schrank, dazu noch ein paar Kleinigkeiten wie Wasserkocher, Kaffe, Kerzen, Musik (digital!) – das würde reichen.
Wenn ich dann zur Tat schreite und beginne, Sachen wegzuschmeißen, sagt meine Mutter immer, ich würde mein Leben wegwerfen. Aber das tue ich nicht. Was ich wegwerfe sind vor allem schlechte Erinnerungen oder irgendwas, womit nicht mal eine Erinnerung verknüpft ist. Wozu muss ich Briefe von einem toten Freund aufheben? An die schönen Zeiten werde ich mich auch so immer erinnern. Wozu brauche ich x-mal Bettwäsche, 20 Handtücher und 10 Tassen? Was soll ich mit Unterlagen zu einer Projektarbeit, die mich doch immer nur an die verhasste Projektbetreuerin erinnern? Wozu CDs horten, wo ich doch inzwischen fast alle mp3-isiert habe.
Und wenn es dann soweit ist, werde ich mein Auto packen und mit nem Kofferraum voll Sachen ganz einfach in jede Ecke der Welt und in das kleinste Zimmerchen umziehen können. Denn das, was mir wichtig ist, manifestiert sich nicht in Dingen, sondern ist in mir.
frei nach der gleichnamigen Rubrik in der Zeitung “Die Zeit”




huch, jetzt hätte ich beinahe garnichts mehr geschrieben, weil ich mich in der weiten Welt der “Zeit” verloren habe. Aber was ich noch sagen wollte: ich habe viele Erinnerungsstücke, die mir die Erinnerung an kleine Episoden des Lebens wach halten, welche ich nicht missen möchte, aber würde, wenn ich sie nicht hätte! Alltäglichkeiten, die es in dem Augenblick nicht für Wert befunden wurden, im Langzeitgedächtnis abgespeichert zu werden und deshalb umso liebenswerter sind, zum Beispiel die riesigen Pinienzapfen aus Spanien, die ich dort zum ersten Mal sah und vor allem anfassen konnte. Ein Deoroller, den ich seit 5 Jahren aufbewahre, weil mich sein Geruch immernoch an meine Reiseodyssee auf dem Weg nach Guatemala erinnert. Gerade diese Sinne sind es doch, die mit kleinen, scheinbar unbrauchbar gewordenen Dingen angeregt werden und mich an mein Leben “erinnern”, in einer Art und Weise, wie es das Gedächtnis oder ein Tagebuch alleine nicht könnte.
Ja, und da ist der Zettel mit dem Zauberspruch, der nie in dem blog aufgetaucht wäre, wenn die Mutti ihn nicht aufgehoben hätte. Wieviel Erinnerungen sind wach geworden, als du ihn bekommen hast? Ob gute oder schlechte Erinnerungen – auch die schlechten müssen leben bleiben, denn auch die machen Dein Leben aus. Und wie willst Du Gutes empfinden, wenn Du nicht auch Schlechtes erfahren hast?
Dachte ich mir schon, dass ihr zu diesem Artikel kontroverse Meinungen habt.
Natürlich gibts Sachen, die ich immer behalten werde, sei es das Ojo de Venado, die uralten deutsch-russischen Wörterbücher oder mein Lieblingsfoto.
Ich finde, die Natur hat das schon gut eingerichtet, insofern nämlic, dass man unschöne Sachen eher vergisst als schöne. ;o)
[...] 10, 2008 by glasok Früher, als ich davon redete, mich von meinem Hausstand zumindest teilweise zu befreien, stieß ich häufig auf Unverständnis. Nun endlich scheint jedoch die Zeit reif für ein erneutes [...]