Gern würde ich manchen Kunden einen Vortrag über Erdbeeranbau halten. Natürlich hat aber niemand Zeit dafür. Und so werden Fragen wie “Warum sind die Erdbeeren hier so teuer?” oder “Ohne Sonne wachset se jo net, gell?” wohl nie ausgiebig beantwortet werden.
Warum sind die Erdbeeren denn nun bei uns z.T. teurer als im Supermarkt?
Das liegt hauptsächlich an der Sorte. Wir bauen zu 80% Korona an. Das ist eine Sorte, die ein super Aroma hat, zuckersüß und auch innen knallrot ist und wirklich nach Erdbeere schmeckt. Der Nachteil ist allerdings, dass die Frucht ziemlich weich und empfindlich ist. Daraus ergibt sich, dass wir zum Pflücken viel länger brauchen, da die Pflücker die Frucht nicht mit der Hand berühren dürfen. So ein “Wegrupfen”, wie es die Akkordpflücker und auch die meisten Selbstpflücker machen, wäre eine Katastrophe im Korb. Die Früchte müssen dann vorsichtig in den Korb GELEGT (nicht geworfen) werden. Wir brauchen also schon mal ca. doppelt so lange zum Pflücken.
Dann kommt noch unsere ungünstige klimatische Lage dazu. Sehr oft haben wir im bis in den Juni hinein Nachtfröste. Der Schutz davor erfordert besondere Maßnahmen. Wir haben in manchen Jahren schon mitten in der Nacht das inzwischen steif gefrorene Vlies über die Erdbeeren gezogen. Das ist alles Aufwand, der Geld kostet.
Manchmal wünsche ich mir, wir hätten unseren Betrieb woanders. Dort, wo Äpfel ohne Hagel wachsen, wo man schon bei extensivem Anbau (weil der Boden so gut ist) schon Weizenerträge von 80 dt hat oder eben wo Erdbeeren so gut wie unbetreut gute Erträge bringen.
Ist aber nicht, und da auch wir Ausgaben haben, sind eben bei uns die Erdbeeren etwas teurer. Das Gute ist, dass man sie aber auch wachsen sieht, sogar selbst ernten kann und – nicht zu vergessen – es die beste Sorte aller bisherigen Zeiten ist.
Von der ich heute übrigens eine Marmelade OHNE Zucker gekocht habe!



