Im Liegen überfällt mich das Gehirn mit Gedanken aller Art.
Zumeist befasst es sich dann damit, was ich welcher Person alles schreiben könnte. Ich könnte der einen schreiben, dass ich sie gern hab – auch wenn ich es nie so gezeigt habe und dass ich sehr dankbar bin für früher, für die Ideen und Unternehmungen, für die Kreativität und die lustigen Ereignisse. Der anderen könnte ich schreiben, dass sie sich irrt, wenn sie meint, ich finde sie furchtbar nur weil ich oft nicht gut finde, was sie macht. Ich könnte schreiben, dass genau das Gegenteil der Fall ist, dass ich es nur traurig finde, wie sie sich selbst das Leben schwer macht und ich nur deshalb die kläglichen Versuche einer Rettung unternehme. Dann könnte ich der nächsten schreiben, dass sich nichts geändert hat, auch wenn sich scheinbar alles geändert hat. Und der übernächsten – wie zerbrechlich sie mir scheint und wir gern ich sie in den Arm nehmen würde. Und der y-ten – wie …
Dann fällt mir aber wieder ein, dass die eine sich überhaupt nicht für mich interessiert, dass der anderen meine Gedanken sowieso egal sein werden und dass die nächste die veränderte Lage als real ansieht. Dann frage ich mich, was es für einen Sinn haben soll, sich so bloßzustellen, etwas zu schreiben, was auf Gleichgültigkeit vielleicht auf Unverständnis und unabänderliche Tatsachen stößt. Das Gehirn liefert Formulierungen, die treffen, die manchmal wehtun, die Hoffnung machen, die alles ausdrücken, was ich sagen will.
Und die dann mit dem Aufstehen verschwunden sind. Was vielleicht auch gut ist, denn vermutlich wäre es ein Schock für einige Personen, etwas, dass nicht einsortierbar wäre, etwas, das sie nicht erwartet hätten. Etwas, was unsere Beziehung vielleicht grundsätzlich neu definieren würde. Die andere Person müsste reagieren, müsste nachdenken, wäre vielleicht peinlich berührt. Ich würde sie zwingen, zu längst Vergangenem Stellung zu nehmen, zu mir Stellung zu nehmen. Das könnte wiederum für mich zur Herausforderung werden, denn wie geht man so eine neu definierte Beziehung an? Wie geht man um mit mehr Emotionalität? Mit Echtheit? Mit Tiefe? Mit Ablehnung?
Eines Tages werde ich vielleicht genug Mut haben, das herauszufinden.




ich finde, du solltest schreiben. allen. du wirst dich nicht bloßstellen oder auf unverständnis stoßen. vielmehr auf freude darüber, dass du dich öffnest und dir gedanken machst um deine freunde. glaub ich.
meine besten freundschaften wurden noch tiefer, weil wir uns irgendwann genau diese sachen gesagt haben. auch mit der angst nicht verstanden zu werden oder auf ablehnung zu stoßen. meistens war es aber der anfang für gute gespräche und jahrelange verbundenheit. trau dich :)
wieder einmal sprichst du mir aus der seele. ich glaub auch, manche können nicht damit umgehen, wenn man ihnen sagt, wie sehr man sie mag. oder wenn man ihnen gefühle beschreibt, die sich nicht so einfach einordnen lassen wie “ich mag dich, auch wenn ich nicht gut finde, was du machst”. aber es ist die frage, ob man solche freundschaften haben will, bei denen man eher an der oberfläche kratzt.
wünsch dir und deinen lesern schöne weihnachten, wo immer du gerade sein magst :)
Tu es, geh unter die Oberfläche!
Das Feedback wird Dich überraschen. Du gehst davon aus, dass sich die eine nicht für Dich interessiert, dass die andere… usw. usf.
Sie nehmen vielleicht etwas ähnlich Falsches von Dir an. Zeig ihnen, dass sie sich irren und sie Dir etwas bedeuten.
Eine Freundin von mir hat das vor über fünf Jahren mit mir gemacht und ich bin verdammt froh darüber.
Alles Gute für Kamerun!