Nun, da endlich die Erdbeersaison auch auf unserem Gewann eröffnet ist, kann ich mich mal wieder ganz anderen Vergnügungen widmen.
Der Morgen beginnt mit dem Einladen von Equipment, also die Waage, leere Erdbeerkörbe und weiterer Krimskrams werden ins Auto befördert. Dabei hilft mir immer Henryk (unser polnischer Arbeiter), der, um seine große Hilfbereitschaft zu demonstrieren, dabei immer ganz hektisch hin und her rennt.
Auf dem Feld angekommen, wird alles ausgeladen (Henryk in gewohnter Hektik).
Dann folgt der feierliche Augenblick des Morgens: Wir hissen unsere neue Erdbeerflagge. Dabei summen wir (mangels Textsicherheit) die russische Nationalhymne. Warum russisch? Ich habe in diesem Jahr festgestellt, dass Henryk richtig gut russisch kann. In seinem Kurs in der Uni war er der Beste, hat er mir jetzt erzählt. Ich rede inzwischen fast nur noch russisch mit ihm und komme mir vor wie in meinen besten Lernzeiten in RU ;o)
Wenn wir Glück haben, ist bis dahin noch kein Kunde erschienen.
Haben wir Pech, warten die ersten schon seit 10 vor 9 vor dem Kiosk und haben wir großes Pech (wie heute) dann ist der erste Kunde schon auf dem Feld und bedient sich. Komischerweise haben solche Leute kaum ein Unrechtsbewusstsein: Es wächst doch eh alles hier und Öffnungszeiten interessieren nicht und überhaupt werde man sich erstmal beim Chef über mich beschweren. Spätestens zu dem Zeitpunkt grinse ich mir einen, denn der Chef ist mein bester Freund. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, was Leute in so einer Situation erzählen, wenn man selbst einfach gar nichts sagt.
Der Tag geht dann dahin mit Wiegen, Kassieren und Anhören von neuestem Klatsch und Tratsch aus dem Dorf. Seit ich in meinem letzten Buch (Das Mathe-Gen) gelesen habe, dass wir u.a. aufgrund unsere Fähigkeit zu Klatsch und Tratsch so weit “oben” auf der Leiter der Evolution sind (ok, das ist jetzt stark vereinfacht wiedergegeben), beteilige ich mich natürlich gerne daran ;o)
Zwischendurch gilt es noch, einen verzweifelten russischen Praktikanten zu beruhigen (Zitat: “Ich sterbe hier!”) und dessen Arbeitgeber zu vermitteln, dass kein Russe nach 3 Tagen perfekt deutsch oder gar schwäbisch kann.
Dann muss ich den ganzen Tag über auch meine wirren Ideen für Blog-Einträge sortieren und werde dann am Abend feststellen, dass das Meiste davon nix taugt.
Und dann sitze ich am Abend noch da und schreibe sowas wie hier zusammen.
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