Wir sind in Ufa. Heute hat die Deutschlehrerin Lira fuer uns eine Exkursion zu einem Lehrbetrieb der Agraruni organisiert.
Ich kenne ja schon Lehr- und Versuchsanstalten in Deutschland. Dort ist es so, dass die Ausruestung meist ein sehr hohes Niveau hat, da viele Firmen (Stallbau, Fuetterung, Melktechnik) diese Betriebe nutzen, um dort ihre neuesten technischen Entwicklungen unter Praxisbedingungen zu testen. Die Lehrlinge, Studenten, Landwirte, die dort Lehrgaenge absolvieren, sehen so oft Geraete, die in der Praxis noch gar nicht oder selten im Einsatz sind z.B. Melkroboter.
Aber auch neue Organisationsformen wie z.B. Fruehabsetzen von Ferkeln werden erprobt.
Der russische Lehrbetrieb dagegen sieht folgendermassen aus:
Vor einem kleinen Stallgebaeude tummeln sich auf einem vermatschten Auslauf 15 Pferde, eine baschkirische Rasse und Orlowtraber unterschiedlichen Alters: Die Pferdezucht!
In einem Auslauf daneben spazieren 10 Gaense herum: Die Gaensezucht!
Im Stall sind in kleine vollbetonierten Buchten Enten untergebracht: Die Entenzucht!
Im Kuhstall gab es dann 24 Milchkuehe. Die werden in Anbindehaltung gehalten mit Sommerweide. Hinter der Kuehen Gitterroste zur Entmistung. Die Melkanlage besteht aus einer Vakuumleitung, d.h. es wird in Kannen gemolken und diese muessen durch den ganzen Stall zum Milchtank getragen werden.
Gefuettert wird v.a. Silage, diese wurde hinter einem verfallenen Gebaeude auf der Wiese gemacht: Raps, Gras und Mais, darueber eine Abdeckung aus Stroh – fertig!
Die Silage wird von Hand aufgeladen und mit Pferd und Wagen zum Stall transportiert.
Naja, genug, ich war jedenfalls schockiert.
Wir haben ja schon ueber 80 Studenten geprueft.
Nun wundert es mich nicht mehr, wenn ich als Antwort auf Melktechnik immer “in Reihe” hoere. Oder wenn die keine ahnung haben, wie man die Qualitaet von Silage erhoehen kann. Oder wieviele Ferkel eine Sau/Jahr hat. Oder was Tierschutz ist.
Wie sollen denn so bitte qualifizierte Kraefte fuer die russ. LW ausgebildet werden, wenn die Studies nur mit voellig veralteten Techniken arbeiten??
Wie sollen sie denn jemals mit ihren Produkten auf dem europ. Markt bestehen, wenn voellig unklar ist, was artgerechte Tierhaltung ist.
Wenn als Antwort auf die Frage nach bodenverbessernden Massnahmen “Duengen” kommt!
Was sollen die Studies denn fuer Ideen auf ihren zukuenftigen Betrieben entwickeln, wenn sie noch lernen, dass man mit Pferd arbeitet?! Das ist zwar interessant, aber neue Technik bekommen sie nirgend zu sehen!
Jetzt wuerde ich am liebsten allen Agrarsstudies nach Dtl auf lw Betriebe holen, um sie ein paar Monate mitarbeiten zu lassen.
Es wird immer klarer wie wichtig die prakt. Erfahrung ist und dass sie die in RU kaum bekommen koennen!
Viele ex-Praktis sagen, dass sie ueberhaupt erst nach dem Praktikum verstanden haben, was sie da 4 Jahre lang gelernt haben.
… Es gibt also nach viel zu tun!!



