Ein heißer Sommertag in einer weiten hügeligen Landschaft.
Die Luft flirrte über reifen Getreidefeldern, die sich über den Horizont bogen. Man hörte das leise Säuseln des Windes in den Ähren, Grillen zirpten. Auf dem Feldern brummten leise Mähdrescher und Traktoren. In der Ferne verhieß ein Eichenwald an einem Berghang Kühle und Schutz vor der brennenden Sonne.
Plötzlich schoss ein riesiger Schwall staubiger Luft über den Horizont. In Sekunden verdunkelte sich der Himmel. Noch staunten wir über dieses Phänomen, da kam schon das nächste angeflogen. Wie taumelnde Blätter im Wind rollten, sich überschlagend und immer wieder durch die Luft wirbelnd Trakoren, Anhänger und LKW den gegenüberliegenden Hang herunter. Fasziniert beobachteten wir das Schauspiel.
Langsam änderte sich jedoch die Richtung des Maschinenflugs gefährlich auf uns zu und in der Gruppe wurde diskutiert, ob wir uns genau gegen den Strom wenden sollten. Dann wären wir nach einer kurzen Kreuzung aus der Schussrichtung, wobei allerdings das Risiko bestand, bei dieser Kreuzung von einer der Maschinen getroffen zu werden.
Ich plädierte dafür, sich bergauf Richtung Wald zu wenden und so vor dem Strom in den Wald zu flüchten.
So langsam wurde es eng, also rannte ich einfach los Richtung Wald. Ich hatte mich für diese Richtung auch deshalb entschieden, weil ich so auf die andere Seite des Horizonts gelangen und vielleicht ergründen konnte, woher diese Luftwirbel kamen, die weiter unaufhörlich undurchsichtige Massen und Maschinen in unsere Richtung fliegen ließen.
Mit mir rannte noch eine Frau zum Wald. Wir hetzten bergauf und erreichten die obere Kante des Berges. Ich erwartet dort einen sanft abfallenden Hang in die andere Richtung. Mir stockte jedoch der Atem, als ich hinunterblickte: Ein irre steiles Feld zog sich längs zur Waldkante hin. Am Rand war ein alter Traktor abgestellt, der völlig den Gesetzen der Physik zuwider am Hang klebte. War vorher die ganze Situation noch realistisch erschienen, schlich sich nun ein Gefühl von Surrealismus gemischt mit Angst ein.
Mühsam konzentrierte ich mich auf die Hangkante und versuchte nicht an die aberwitzige Tiefe zu denken, die nur knapp einen Meter neben mir begann.
Als wir ein Stück entlang der Kante liefen, sahen wir einen breiten Erdsteg, der sicher genug erschien, uns auf der anderen Seite des Waldes abwärts zu bringen.
Als erstes kletterte die Frau hinüber. Ich folgte ihr und hatte den scheinbar immer schmaler werdenden Steg gerade auf allen Vieren bekrochen. Da brach dieser völlig in sich zusammen, die Frau hing drüben an einem Netz am der Wand und ich fiel nach unten.
Als ich die Augen wieder aufmachen konnte, flog ich gerade über Island.
Island sah aus wie zwei Halbmonde, die sich mit der geraden Seite fast berührten. Jemand sagte, dass es äußerst gefährlich sei, sich dort an diesen zwei gegenüberliegenden Ufern aufzuhalten. Wie zur Bestätigung sah man unten einen Mann ins Wasser fallen. Er lebte noch, konnte sich jedoch nicht bewegen. Langsam trieb er zwischen den beiden Mondhälften ins offene Meer, stieß irgendwo mit dem Kopf an ein anderes Ufer und starb.
Als ich landete, befand ich mich in einer Wandergruppe. Schwatzend zogen wir langsam auf einem Weg nahe des Ufers über die Insel. Ich führte die Gruppe an und musste mich daher immer wieder zu den Sprechenden umdrehen.
Als ich nach so einem Umdrehen wieder nach vorn sah, blickte ich in ein Paar tote Augen. Auf dem erhöhten Wegesrand lag eine Leiche, deren Kopf in den Weg hing. Ohne großes Aufhebens zerrte die Gruppe den Toten auf den Weg und warf ihn auf der anderen Seite das steile Ufer nach unten. Ich wunderte mich selbst über meine Emotionslosigkeit und beobachtete mit Interesse, wie der Tote ein paar Mal aufschlug, sich ähnlich den Maschinen drehte, umhersprang und schließlich am Ufer lag.
Wir wanderten weiter. Der Weg wurde schmaler, die Seitenwände immer höher, bis schließlich nur noch ein schmaler Streifen Himmel über uns zu sehen war.
Irgendwann gelangten wir in ein Tal durch welches ein eisiger Wind zog. Im Tal peitschte der Wind einen Fluss, der daraufhin Gischt umherwarf. Ich blinzelte einmal mit den Augen und plötzlich war die Szene völlig verändert.
Ein breites sonnendurchflutetes Tal öffnete sich, der Talboden war mit weißem, warmen Sand bedeckt. Über dem flachen Talkessel erhob sich die größte Spielburg, die ich jemals gesehen hatte. Riesige Holzgerüste mit Klettergerüsten, Hängebrücken, Seilen. Viele raffiniert versteckte Wege führten auf verschiedenen Ebenen auf die andere Talseite.
Unmengen von Kindern spielten auf der Burg. Kein Holzstück, auf welchem nicht wenigstens ein Kind saß, stand oder schaukelte. Fröhliches Gejuchze hallte durchs Tal, brach sich an den Felswänden, wurde dabei immer höher und melodischer bis sich alle Töne zu einer tschilpenden, tirillierenden Symphonie vereinigten.
…
Nun sage noch mal einer, schlafen sei langweilig. Ich habe dabei immer die köstlichsten Erlebnisse ;o))
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