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Archive for April, 2008

Symptome

Früher – da ließ ich den größten Stress gelassen über mich ergehen. Wenn alle schrien und weinten und rannten, wenn irgendeine Deadline drohend nahe rückte (also nächster Morgen z.B.), kochte ich mir einen Kaffee, las Zeitung, machte dann ein bisschen Yoga oder meditierte vor mich hin. Und in aller Ruhe begann ich dann gegen Mitternacht mit den ersten Arbeiten. Und begann mir zu wünschen, dass mir Wein schmeckt.

Später wurde das anders. Im größten Stress begann ich aufzuräumen, die Wohnung zu streichen oder Fenster zu putzen. Zum Zeichen der Entspannung wurde eine Flasche Wein geöffnet. Oder ganz gern telefonierte ich mich auch durch meinen Bekanntenkreis – insofern war Stress damals richtig produktiv und netzwerkbildend.

Heut ist die Lage wieder eine andere: Ich stelle fest, dass ich bei Anwesenheit von Stress nicht mehr sitzen kann. In der S-Bahn – 70% freie Sitzplätze – ich stehe. In der Mensa – naja, schlechtes Beispiel, da gibts meist keine freien Plätze, aber nehmen wir mal an, da wäre einer – ich schlinge mein Essen im Stehen herunter. Radfahren – ich stehe in den Pedalen. Ich halte es einfach nicht mehr aus, so passiv dazusitzen. Wenn ich dann stehe, merke ich, dass meine Hände sich eine Art Honeckersches Verhalten zugelegt haben. In bester Arbeitereinigkeitszeichenmanier formen sie sich energisch zu Fäusten. Gerade noch kann ich sie davon abhalten, sich nach oben zu strecken und mich davon, “Rot Front” zu schreien. Die Haare haben sich ebenfalls angepasst und gestalten alle 2 Stunden eine neue äh naja Frisur. Kurz nach Mitternacht kippe ich noch ein Glas Wein runter.

Morgen wird es dann in Stresssituationen so sein, dass man mich fäusteschwingend auf der Straße hüpfen sieht. Ich brabbel ununterbrochen vor mich hin und versuche jeden von der Vorteilhaftigkeit des Antimaterialismus zu überzeugen. Ich flippe aus, wenn Leute Zweifel äußern, sei es an mir, dem eigenen Ich oder am Weltfrieden. Aber mehr als 2 Minuten kann ich eh nicht zuhören und hüpfe von dannen. Wein trinken tu ich schon lange nicht mehr.

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Trieb

Ja, ich bin von Hass getrieben. Das gebe ich hiermit zu.

Aus Hass lasse ich mich fast fulltime als Web-Sklaven, aus dem permanent Designs, css und Kreativität sprudeln müssen, missbrauchen. Ich halte es nicht aus, wenn ich nicht wenigstens 3 mal am Tag auf russisch erklären kann, wie man Bücher ausleiht, zum Studiticket kommt oder den Weg zum AStA findet. Es ist für mich unerträglich, wenn sich nicht mindestens 2 Leute mit mir zum Essen (ca. 1 Std), Lernen (ca. 2 Std) oder Kaffee trinken (unbestimmte Länge) treffen wollen.

Mit hassifiziertem Gehirn beteilige ich mich mit Vorliebe an WE-Konferenzen und bin zutiefst verärgert, wenn die Veranstaltung vor 2000 zu Ende ist. Einzig Hass treibt mich dazu, schon morgen abend den Rucksack zu packen, durch halb Deutschland zu fahren und erst am Sonntag volltrunken und um etliche Gehirnzellen ärmer zurückzukehren. Der gleiche Hass motiviert mich, wenn ich am späten Abend als Notfallfriseur, Seelsorger und Apfeltester irgendwohin zitiert werde.

Nur aufgrund dieses Hasses, war Herr H. in der Lage, mich zu weiterer sklavischer fulltime-Tätigkeit zu verpflichten, weshalb ich schon jetzt an der Erzeugung eines Zeitloches arbeite und in doppelter Geschwindigkeit telefoniere, esse, schlafe und lache. Pure Hassesfreude ist es, die mich die verbliebenen -3 Stunden der Woche damit verbringen lässt, einen Spanischkurs an der Uni zu belegen. Und auch das ganze Studium: die tägliche Qual, 0600 aufzustehen, die Mühen, etwas halbwegs Genießbares in der Mensa aufzutreiben, die Schmerzen vom langen Sitzen und dann v.a. diese BArbeit, die mich dazu zwingt, in einem nur spärlich mit Grünlicht beleuchteten Keller stundenlang Samen zu zählen, die unträglichen Personen, mit denen man dabei gelegentlich kommunizieren muss – alles hassbegründet.

Nun wird der aufmerksame Leser sich fragen: Menschenskinder, was für ein Hass könnte das denn wohl sein?

Und ich sage ihm ganz offen: Ich hasse meine Wohnung und vor allem hasse ich es, Zeit darin zu verbringen.

Ich hasse es, halb unterirdisch zu wohnen, ich hasse den Schimmel, der hier und da wuchert, ich hasse den Fliesenboden, den Nachtspeicherofen, den Wasserboiler. Ich hasse den Geschirrspüler, die Fenster, die so verführerisch tief liegen, dass mein Vermieter gern mal einen Blick reinwirft, ich hasse überhaupt den (über mir wohnenden) Vermieter, der meint, dass er im Suff alles sagen darf, ich hasse seine Frau, die Sonntag morgens 0800 über mir rumstöckelt, ich hasse die Dämmerung, die sich schon am frühen Nachmittag hier breitmacht. Ich hasse die Partys, die direkt vor meinem Fenster stattfinden, das Gefühl, bei jedem Schritt kontrolliert zu werden, das laute Rasseln der Jalousien, die funktionslose Dunstabzugshaube, das Geräusch, wenn oben die Klospülung betätigt wird oder das Telefon klingelt …

Und wieder wird der aufmerksame Leser sich fragen: Menschenskinder, warum zieht die denn dann nicht aus?

Und ich sage ihm: Ich tue es.

Bald. So schnell wie möglich. Wenn die Sklavenpflichten erfüllt, die Samen gezählt, die Spanischlektionen gelernt und die Sommermonate gekommen sind. Dann bin ich weg. Es gibt viele Möglichkeiten. Und der Hass ist groß.

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Ich habe endlich eine wissenschaftliche fundierte Erklärung für meine Faulheit Unlust bzgl. Lernen gefunden:

Das dynamisch-transaktionale Modell des Wirkungsprozesses!

Da gibt es drei Phasen und in Phase 1 stehen folgende bedeutsame Zeilen:

Das tatsächliche Aufnehmen relevanter Informationen durch eine Person hängt von der subjektiv empfundenen Diskrepanz zwischen Kenntnissen ab, die bereits vorhanden sind, und einem Kenntnisstand, den die Person als befriedigend ansieht. Solange diese Diskrepanz als bedeutsam erlebt wird, versucht die betreffende Person, weitere passende Infomationen zu finden, wird die Diskrepanz unbedeutend, so erlischt die Aufmerksamkeit, der Wissensstand stagniert auf dem gewonnenen Niveau.

Also liebe unlustige Schüler und Studenten – Ihr könnt nichts dafür, das ist 1. Wissenschaft und 2. biologisch terminiert. So.

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Now I know

Manchmal träume ich so intensiv, dass ich nachher kaum entscheiden kann, ob es nicht doch real war. Heute habe ich wieder sowas von real geträumt, dass ich mich jetzt wie ein anderer Mensch fühle. Manche Dinge kann man einfach nicht beschreiben, die muss man selbst erleben, damit man mitreden kann – und wenns nur im Traum ist. ;o)

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Absturz

Wenn man tagtäglich mit derselben Bahn zum gleichen Ziel fährt, ist an der Strecke selbst bald nichts Neues mehr zu entdecken.

Dafür werden aber die Mitfahrer immer interessanter. Besonders, wenn man immer wieder gleichen sieht. Ach, die dicke Frau mit den immer zu kurzen Hosen hat eine neue Frisur! Oh, der gut aussehende aber leider eheringtragende Typ hat sich neue Schuhe zugelegt. Oder beobachtet diese Quasselstrippe, die jeden Morgen eine sichtlich genervte Mitschülerin zutextet. Oder man freut sich über die Leute, die die gleiche Zeitung lesen, setzt sich demonstrativ daneben mit der gleichen Zeitung, um Solidarität zu bekunden.

Und dann gibts da noch den Bürstenmann. Seine Haare stehen nun schon seit 4 Jahren immer exakt 5 cm lang bürstenartig in die Höhe. Das sieht, ehrlich gesagt, nicht besonders vorteilhaft aus, aber ich konnte auch noch nichts entdecken, was ich direkt furchtbar gefunden hätte. Seriös lief er Morgen für Morgen mit seiner Aktentasche zur gleichen Stelle auf dem Bahnsteig. Kein Ehering, aber trotzdem sauber und ordentlich.

Letztens machten wir gemeinsam Feierabend. Er stieg vor mir aus. Er stoppte am Mülleimer, wühlte in den Zeitungen, sah sich einige Exemplare genauer an und nahm dann eine mit. Nächster Stopp: Fahrkartenautomat. Er grabbelte im Rückgeldfach auf der Suche nach vergessenen Münzen oder Fahrkarten. Mein Bild von ihm erfuhr eine radikale Revision: er war nicht mehr der einsame, hyperordentliche, ein wenig langweilige Junggeselle, sondern wurde innerhalb von drei Sekunden zum Mülleimerwühler, zum Geizkragen, zum Messie, zum Pfennigfuchser, der vermutlich Tag für Tag in einem grauen fensterlosen Büro sitzt und sich überlegt, mit welchen Strategien er in dieser fiesen Welt überleben kann.

Ja, manchmal stürzen Menschen von Thronen.

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Übermorgen steht mal wieder ein Prüfung an, hoffentlich die vorvorletzte für die nächsten Jahre.

Die VL dazu war gar nicht mal so uninteressant, wie ich eben beim Durchlesen des Skriptes feststellte. Wussten Sie z.B., dass die erste Tageszeitung in Leipzig erschien und “Täglich neu einlaufende Kriegs- und Welthändel” hieß? Oder die erste Zeitschrift: “Schertz- und ernsthafte, vernünftige und einfältige Gedanken über allerhand günstige und nützliche Bücher und Fragen”. Das wär ja auch mal ein cooler Blogname!

Oder wussten Sie, dass eine Seite Werbung in der “Bild”-Zeitung 348000 Euro kostet? Oder wenn Sie an 15000 Litfasssäulen für 10 Tage ein 1m2-großes Plakat aufhängen wollen: 18 Mio Euro!!

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Vorsichtig fahren wir mit zwei Hundertschaften Richtung Feind.

Schon an der Pforte muss unsere Tarnung ihre erste Prüfung bestehen. Unser Kapitän bezirzt mit seiner männlichen Kompanie die weiblichen Wachen und lenkt sie vom Einschleichen meiner weiblichen Kompanie ab. Die erste Hürde ist genommen.

Wir betreten die gegnerische Arena. Unbeschwert scheint der Feind zu feiern. Oder sollten die vielen grell blinkenden Lichter uns nur blenden und die hämmernden Klänge unsere Ohren abstumpfen? Unbeirrt kämpfen wir uns durch die Massen. Immer wieder scheinbar zufällig geraten wir in ein Knäuel des Feindes. Doch wir lassen uns weder einschüchtern noch zurückdrängen. Mit unserer ausgetüftelten Verteil-und-vereinzel-Strategie schlüpfen wir durch jede Lücke.

Wir steuern auf das Hauptgebäude – das Gehirn, die Schaltzentrale – der feindlichen Bande zu. Und wieder wollen uns die Wächter keinen Zutritt gewähren. Mit einem geschickten Ablenkungsmanöver und einem gefälschten Siegel können wir sie jedoch überlisten. Unsere inzwischen 3 Kompanien sind im Herzen des Widersachers angelangt. Innen empfängt uns gleich der nächste Versuch, Eindringlinge abzuwehren: Der niedrige Sauerstoffgehalt ist lebensgefährlich, die Luft ist zudem fast nicht atembar aufgrund diverser Vernebelungszusätze und der unerträglichen Temperatur. Nun zahlt sich das harte Training in unserer Feinderäucherkammer aus: es ist zwar schwer, aber wir halten durch. Fast. Nur unser kleiner Italiener hält die Qualen nicht mehr aus und verschwindet.

Und hier im Allerheiligsten zahlt sich nun auch unser 40-Mann-im-6-Mann-Fahrstuhl-Training aus. Der Feind kann sich noch so sehr an uns drücken und pressen – wir sind resistent. Auch das ohrenbetäubende Getöse kann uns nun kaum noch an der Ausführung unserer Aktionen hindern. Wir haben ja schließlich unsere Zeichensprache eingeübt. Wir erheben die Faust senkrecht Richtung Mund – und schon trinken wir alle gleichzeitig unseren goldenen Zaubertrank. Und ein kurzes Nicken reicht, um allen zu verdeutlichen, dass sie zum Krustenhuhn greifen sollen, um die Hände für den kommenden Kampf zu fetten.

Um uns herum herrscht inzwischen infernalisches Gebrüll. Wurde der kleine Italiener gefasst und hat gestanden, dass wir hier sind? Überall werden Rufe laut: Wenn nicht jetzt – wann dann? Wenn nicht hier – wo dann? Wir versuchen uns anzupassen, schreien mit, schunkeln und wackeln, gucken aufgeregt in die Menge. Wir steigen auf die Tische. Am Nachbartisch hängt sich ein junger Kämpfer an den Dachbalken, um besser Ausschau halten zu können. Noch haben sie uns nicht entdeckt. Wir trampeln auf den Tischen, schreien und springen um unsere Tarnung. Die Feinde am Nachbartisch sehen zu uns herüber. Ein zweiter hängt sich an den Dachbalken.

Die ersten getarnten Waffen werden bereit gemacht, indem die Männer Gläser gegen die Wand schlagen. Mit spitzen Glasgriffen zetern, brüllen und trampeln sie auf den Bänken, inzwischen unterstützt von ihren Weibern und Kindern. Da stürzt einer der Männern zu Boden und schlitzt sich mit seiner eigenen Waffe den Arm auf. Blut spritzt, die Weiber und Kinder schreien – aber diesmal ist es kein angriffslustiges Brüllen. Die Kampfesgenossen eilen dem Verwundeten zu Hilfe, doch das Blut spritzt weiter. Wir indes haben unsere Aufgabe erfüllt: der Feind ist dabei, sich selbst zu zerstören. Unauffällig verschwinden wir ins Getümmel und nach draußen.

PS: Reportage vom Besuch des Frühlingsfestes auf dem Cannstadter Cannstatter Wasen

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Depression

Kollege erzählt von seinem tollen Konzert, was er am WE zu geben hat, ich: ja super, ich freu mich auch so. Freundin erzählt von der Geburtstagsparty, die amüsant war, ich: ja ganz toll hört sich das an. Verehrter freut sich den Arsch ab wegen seines Urlaubs, ich: ja, ich mich auch. Tür freut sich, dass sie offen ist, ich: ganz prima machst du das, du Tür du.

Nennt mich bitte ab jetzt Marvin.

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Mit verschiedenen Kollegen kommuniziere ich per E-Mail. Zu diesem Zweck muss man E-Mail-Adressen austauschen.

Ich gab dem Kollegen meine Adresse. Er jedoch benutzt eine andere, bei der er sich so zusammengereimt hat, dass das auch meine sein könnte, da sich aus dem Nutzernamen an der Uni auch immer eine Uni-Mail-Adresse ergibt. Da hat er auch recht, diese Adresse gibt es wirklich und es ist auch meine aber ich habe die noch nie benutzt und gebe die auch nie irgendwo an. Wozu auch, wenn ich am Ende des Studiums dann wieder alle Leute auf eine andere umpolen muss.

Jetzt beschwert sich Kollege, der mir zwei wichtige Mehls an diese Adresse schickte: “Hab natürlich nicht damit gerechnet, dass Sie Ihr Mailkonto an der Uni nie kontrollieren!”

Darf ich da jetzt bitte mal kurz ausflippen? Habe ich ihm jemals diese Adresse gegeben? NEIN. Habe ich jemals von dieser Adresse aus geschrieben oder geantwortet? NEIN. Und dann dieser Tonfall in dem Satz, da hört man doch förmlich das: Sie unfähige unzuverlässige Person, Sie!

Leute gibts ….

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