Wenn man im Container lebt und nichts hat, was einen so unterhalten könnte, kommt man auf die Idee, mal wieder zu lesen.
Also habe ich mir in den letzten Wochen bei real diese Mängelexemplar-Bücher gekauft, Trivialliteratur – aber unterhaltsam. Und kosten nur 2,99. Die Kriterien waren: Es musste dick sein und durfte nichts mit Fantasy und Elfenreichen und so nem Zeug zu tun haben. Die ersten beiden Bücher waren dick und actionhaltig – also gut. Das dritte zu dünn und das vierte nicht so gut. Nun habe ich im real also alle dicken, guten und billigen Bücher weggekauft.
Da kam ich auf die Idee, hier im Dorf die Bibliothek aufzusuchen. Heute regnet es ja ununterbrochen, daher gab es nichts zu arbeiten. Ich ging noch kurz beim Herrn H. vorbei, um meinen Ausweis zu holen, den ich ja vermutlich für eine Anmeldung brauchen würde. Er guckte skeptisch, als ich von meinem Vorhaben erzählte, wälzte wortlos das Telefonbuch, wählte eine Nummer und gab mir den Hörer mit dem Wort: Bücherei. Niemand ging ran. Er wälzte wieder das Telefonbuch, wählte und gab mir den Hörer: Rathaus. Niemand ging ran. Wieder wälzen: Bürgeramt. Es meldete sich die Vorzimmerdame des Bürgermeisters und ich fragte, ob sie mir denn die Öffnungszeiten der Bücherei mitteilen könne. Sie suchte kurz und sagte dann: Montag und Donnerstag von 16 – 19 und Mittwoch von 11 – 17.
Vom Schock getroffen sank ich darnieder. Wieder wurde mir bewusst, was für ein Dörfchen das hier ist. Und die Folgen: keine Bücher, kein Lesen, nichts zu tun. Was für ein Graus.



