Die Zeit verfliegt. Schon ist die Erdbeerzeit wieder vorbei. Zeit für ein paar depressive Anwandlungen.
Meine frühere Reitlehrerin aus Mannheim hatte so eine Theorie zum Versauen von Pferden, sie meinte: Wenn ihr Pferd Frisco während ihres Urlaubs 14 Tage von mir geritten wurde, brauche sie immer mindestens die doppelte Zeit, um es wieder auf den Stand vor ihrem Urlaub zu bringen.
Und da ich ja immer gern Parallelen zwischen Tier- und Menschenwelt ziehe, theoretisiere ich mal Folgendes:
Ein Mensch, dem ein emotional bewegendes Ereignis (ebE: hier sei es negativ, also nebE z.B. Computercrash) widerfährt, braucht dann auch die doppelte Zeit (Grundzeit), um mal halbwegs damit klarzukommen.
Da wir Menschen aber (vermutlich die einzigen Wesen sind, die) das Offline-Denken (was wäre, wenn …) beherrschen, kommt zu dieser doppelten Zeit noch weitere Zeit (Zusatzzeit) hinzu. Diese ist dann abhängig von
a) der Intensität des Ereignisses,
b) der Sensibilität der betreffenden Person und
c) dem Auftreten weiterer Ereignisse, die an das erste erinnern.
Das Problem ist nun, dass die Einflussfaktoren a, b nur kategorieller Natur sind und sich daher schlecht in eine Berechnung einbeziehen lassen. So könnte man z.B. für a) ein “sehr hoch” vergeben, für b) ein “hoch”.
In Punkt c) sind durchaus metrische Daten vorhanden, nämlic die Anzahl der Ereignisse. Jedoch haben wir hier das Problem, dass das Auftreten der Ereignisse so gut wie unbeeinflussbar ist. Natürlich gibt es Ereignisse, die man vermeiden kann: so kann man vermeiden, mit Orten, Programmen oder Maschinen, die in Zusammenhang mit dem nebE stehen, in Berührung zu kommen.
Nicht vermeiden kann man hingegen Wortverbindungen, die von x-beliebigen Menschen ausgesprochen werden. Von diesen Wortverbindungen gibt es unendlich viele, da auch die Anzahl der Worte unendlich ist. Doch scheint es eine Vorliebe für gewisse Phrasen zu geben: “nichts ist für ewig”, “alles halb so schlimm”, “bis zum Mond”.
Weiterhin unvermeidlich scheinen Namen zu sein. Treibt mich mein Rechner Gargravarr in den Wahnsinn und ich versuche, das zu vergessen – prompt lese ich den Namen Gargravarr irgendwo und die Erinnerung ist präsent. Auch Gegenstände lassen sich kaum vermeiden: Litt ich noch vor kurzem an einer Blaubeervergiftung und habe selbige fast schon vergessen, stehe ich auf einmal im Wald und was wächst da um mich herum? Blaubeeren!
Nun ja, es lässt sich also hier tatsächlich nur schwer eine Berechnung anstellen: bei einer Dauer des nebE von z.B. 2 Monaten würde eine Grundzeit von 4 Monaten entstehen. Grundzeit (GZ) und Zusatzzeit (ZZ) bilden die Gesamtkorrekturzeit (GkZ). Folgende Formel ließe sich näherungsweise anwenden:
GkZ(nebE) = GZ(nebE) + ZZ(nebE)
ZZ(nebE) = max(ZZ(a), ZZ(b), ZZ(c)).
Die Faktoren a, b, c werden nicht summiert, da sie zeitlich parallel auftreten können und daher nur die Maximaldauer relevant ist. Jedoch müssen die Daten für a und b in Zahlen ausgedrückt werden: also z.B. hoch = 3, sehr hoch = 4. Auch den c-Ereignissen müssen Ziffern zugewiesen werden, jedem Ereignis beispielsweise eine 0.3. Diese Zahlen werden dann mit der Dauer des nebE multipliziert.
Folgendermaßen könnte dann die Berechnung für unser Beispiel (10 c-Ereignisse) aussehen:
GkZ(nebE) = 2*2 + max(2*4, 2*3, 2*0.3*10)
= 4 + max(8, 6, 6) = 4 + 8 = 12
In diesem Fall wäre also eine Zeit von 12 Monaten zu veranschlagen, um über das nebE hinwegzukommen.
Glücklicherweise dauern die meisten nebE ja nicht so lange – so ist ein Computercrash ja oft nur eine Sachen von Minuten, eine Zwangsexkursion dauert 10 Stunden und ein mieser Tag ist nach 24 Stunden vorbei.
So, nun ist die Anwandlung doch gar nicht so depressiv geworden, wie ich eigentlich dachte. Da sieht man mal wieder, dass volle Konzentration auf die mathematischen Hintergründe durchaus hilfreich sein kann (könnte man ja noch noch als Negativwert in die Berechnung einfließen lassen).
Daher rufe ich also jeden auf, diese Formel in seinem Sinne zu verändern, Freunden und Feinden zur Verfügung zu stellen und zu verbreiten! Ein Hoch dem Open-Source-Prinzip!
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