Ich weine. Er ist abgefahren. Ohne Worte.
Nur eine Art lethargisches Brummen habe ich noch gehört. Und das Schlimme ist, dass eigentlich ICH ihn vertrieben habe.
Weil ich mehr Sport machen wollte als er. Judo? Da hat er mich nur unverschämt angegrinst aber mir immerhin angeboten, die Tasche zu tragen. Joggen? Ja, wozu gibts denn Autos? Radfahren? Dito. Skaten? Dito.
Auch meine ewige Fernreiselust konnte er nie so richtig nachvollziehen. Wozu irgendwohin fliegen, wo doch direkt vor meiner Haustür die Autobahn anfängt? Und früher, als ich noch geritten bin, hat er sich täglich über die mickrige eine PS belustigt.
Naja, immerhin hat er kaum Alkohol getrunken. Und wir hatten ja auch schöne Zeiten. Zum Beispiel damals in Donaueschingen auf der Party mit Leander. Oder als wir auf der Expo in Hannover waren. Oder in Haus Düsse, wo wir lernten, wie man 24 Ferkel/Sau/Jahr hinbekommt. Oder in München, wo wir uns erdbeerenessend die Sonne auf den Rücken brennen ließen. Da waren wir schon ziemlich himmelhochjauchzend und hatten das Gefühl, wir würden fliegen.
Später, als ich dann anfing zu studieren, machten wir immer weniger zusammen. Vielleicht bin ich doch mehr Stadtmensch als ich immer dachte. Mit ihm hätte ich mich in die entlegensten Winkel der Schwäbischen Alb oder des Schwarzwaldes begeben können. Nur wollte ich das irgendwann nicht mehr.
Und dass er seine Winterklamotten bei mir lagerte, begann mich zu stören. Dass wir immer auf meine Kosten essen gingen, war im Prinzip okay, da ja auch ich was davon hatte. Aber er hätte doch ruhig auch mal zahlen können, oder?
Irgendwie hab ich ihn aber wohl trotzdem weiter geliebt. Ich mochte seine Kraft, sein Aussehen, das Gefühl von Stärke, dass ich hatte, wenn ich mich an ihn schmiegte. Er war immer da, stellte keine blöden Fragen, redete kein überflüssiges Zeug, war sozusagen eine Konstante in meinem Leben.
Ab jetzt muss ich ohne ihn auskommen, werde endlich mehr Sport machen, einen Haufen Geld sparen, muss mir kein Gemäkel mehr anhören, weil wir nichts unternehmen … Klingt gut. Trotzdem bleibt ein wehmütiges Gefühl, denn es wird nie mehr so wie früher sein. Weil er jetzt weg ist, der Focus.



