Ja, ich bin von Hass getrieben. Das gebe ich hiermit zu.
Aus Hass lasse ich mich fast fulltime als Web-Sklaven, aus dem permanent Designs, css und Kreativität sprudeln müssen, missbrauchen. Ich halte es nicht aus, wenn ich nicht wenigstens 3 mal am Tag auf russisch erklären kann, wie man Bücher ausleiht, zum Studiticket kommt oder den Weg zum AStA findet. Es ist für mich unerträglich, wenn sich nicht mindestens 2 Leute mit mir zum Essen (ca. 1 Std), Lernen (ca. 2 Std) oder Kaffee trinken (unbestimmte Länge) treffen wollen.
Mit hassifiziertem Gehirn beteilige ich mich mit Vorliebe an WE-Konferenzen und bin zutiefst verärgert, wenn die Veranstaltung vor 2000 zu Ende ist. Einzig Hass treibt mich dazu, schon morgen abend den Rucksack zu packen, durch halb Deutschland zu fahren und erst am Sonntag volltrunken und um etliche Gehirnzellen ärmer zurückzukehren. Der gleiche Hass motiviert mich, wenn ich am späten Abend als Notfallfriseur, Seelsorger und Apfeltester irgendwohin zitiert werde.
Nur aufgrund dieses Hasses, war Herr H. in der Lage, mich zu weiterer sklavischer fulltime-Tätigkeit zu verpflichten, weshalb ich schon jetzt an der Erzeugung eines Zeitloches arbeite und in doppelter Geschwindigkeit telefoniere, esse, schlafe und lache. Pure Hassesfreude ist es, die mich die verbliebenen -3 Stunden der Woche damit verbringen lässt, einen Spanischkurs an der Uni zu belegen. Und auch das ganze Studium: die tägliche Qual, 0600 aufzustehen, die Mühen, etwas halbwegs Genießbares in der Mensa aufzutreiben, die Schmerzen vom langen Sitzen und dann v.a. diese BArbeit, die mich dazu zwingt, in einem nur spärlich mit Grünlicht beleuchteten Keller stundenlang Samen zu zählen, die unträglichen Personen, mit denen man dabei gelegentlich kommunizieren muss – alles hassbegründet.
Nun wird der aufmerksame Leser sich fragen: Menschenskinder, was für ein Hass könnte das denn wohl sein?
Und ich sage ihm ganz offen: Ich hasse meine Wohnung und vor allem hasse ich es, Zeit darin zu verbringen.
Ich hasse es, halb unterirdisch zu wohnen, ich hasse den Schimmel, der hier und da wuchert, ich hasse den Fliesenboden, den Nachtspeicherofen, den Wasserboiler. Ich hasse den Geschirrspüler, die Fenster, die so verführerisch tief liegen, dass mein Vermieter gern mal einen Blick reinwirft, ich hasse überhaupt den (über mir wohnenden) Vermieter, der meint, dass er im Suff alles sagen darf, ich hasse seine Frau, die Sonntag morgens 0800 über mir rumstöckelt, ich hasse die Dämmerung, die sich schon am frühen Nachmittag hier breitmacht. Ich hasse die Partys, die direkt vor meinem Fenster stattfinden, das Gefühl, bei jedem Schritt kontrolliert zu werden, das laute Rasseln der Jalousien, die funktionslose Dunstabzugshaube, das Geräusch, wenn oben die Klospülung betätigt wird oder das Telefon klingelt …
Und wieder wird der aufmerksame Leser sich fragen: Menschenskinder, warum zieht die denn dann nicht aus?
Und ich sage ihm: Ich tue es.
Bald. So schnell wie möglich. Wenn die Sklavenpflichten erfüllt, die Samen gezählt, die Spanischlektionen gelernt und die Sommermonate gekommen sind. Dann bin ich weg. Es gibt viele Möglichkeiten. Und der Hass ist groß.
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