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Posts Tagged ‘Hefeklöße’

Diese Enttäuschung mit den Hefeklößen macht mir schwer zu schaffen. Vielleicht haben sich auch einige schon gewundert, was das soll – natürlich ging es nur sekundär um Hefeklöße (die gibts eh nur im Osten).

Nach schweren Diskussionen mit dem Verehrten, die sich hier, hier und hier schon andeuteten, ist nun endgültig klar, dass er für zwei der drei “K” nichts also überhaupt nichts übrig hat. In dem einen stimmen wir ja auch gut überein aber beim anderen: Eher würde er noch auf Sex verzichten, als dass er das Risiko eingeht, dass es doch zu einem kleinen K kommen könnte.

Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Also wenn mir jemand erzählt, dass er schwer depressiv oder erbgutgeschädigt ist, riesige Schulden hat, auf liebsten jeden Tag an einem anderen Ort der Welt ist oder schon 3 K hat, für die er zahlen muss, dann akzeptiere ich schon eher, dass das Gründe gegen K sind.

Aber hier scheint die Welt absolut in Ordnung: fremde K findet er süß, das Leben scheint wohlgeordnet. Zudem ist es endlich mal jemand, der alle meine Ansprüche erfüllt oder mit dem ich ein Leben führen könnte, so wie ich es mir vorstelle: Viel Natur, Gespräche, die nicht versacken, richtiger Einsatz des Dativs, wandern, kochen, wenig Zimperlichkeit aber viel Gefühl, Gediegenheit ohne Schickimicki-Allüren… so in der Art halt. Nur das bei mir zur Perfektion eben auch irgendwann K gehört.

Und irgendwie ist das doch auch normal: Jule meint, wenn das nicht genetisch so verankert wäre, dass wir Nachwuchs haben wollen, würden wir uns ja irgendwann selbst ausrotten und wären niemals zur so einer großen Spezies im Tierreich geworden.

Es ist ja schon kompliziert genug bei uns Menschen: 9 Monate Trächtigkeit, meist nur ein Kind, das auch noch jahrelang betütelt werden muss. Wenn da nicht der unbändige Willen zur Fortpflanzung wäre … wir wären schon nicht mehr da. Insofern hab ich mir gar nichts vorzuwerfen und die Ablästereien über Leute, die irgendwann ganz dringend K wollen, sind Schwachsinn, da es nicht an unserem Willen liegt, es zu wollen, sondern es eher eine Willensanstrengung ist, es NICHT zu wollen.

Da bin ich nun etwas ratlos. Ich kann ja auch nicht einfach Schluss machen, nachdem alles so gut ist bisher. Größtenteils besteht das Leben ja aus Hoffen: Wir machen Urlaub in der Hoffnung, dass wir uns entspannen und Neues sehen, wir bewerben uns in der Hoffnung auf einen interessanteren Job und mehr Geld, wir lernen in der Hoffnung, die Prüfung zu bestehen, wir reden in der Hoffnung, andere zu überzeugen/uns gut zu unterhalten usw. Daher hoffe auch ich, dass sich in der Sache noch etwas ändert. Ich kann mich da nicht ändern, also “kann” im Sinne von ich fühle mich unfähig, es geht einfach nicht, ich bringe nicht mal die Anstrengung auf, es ändern zu wollen. Also muss er sich bewegen.

Und solange er dies nicht tut, muss ich mich irgendwie ablenken. Ich fahre jetzt erstmal zur Landjugendparty nach Berlin, treffe alte Freunde wieder, knüpfe hoffentlich Kontakte Richtung Ukraine und Russland. Und kann mit ganz anderen Perspektiven das Thema sicherlich eine Weile verdrängen.

Aber was ist danach?

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tabu!

Das ist jetzt etwas peinlich, aber ich tu’s trotzdem. Außerdem hat ja wohl jeder ein paar merkwürdige Angewohnheiten. Also gut: Ich sterbe für gefrorene Hefeklöße.

Da habe ich meinen Lieblingsladen mit dem Lieblingsverkäufer Käufi, bei dem ich das Zeug beziehe. In letzter Zeit hörte ich munkeln, dass das in Zukunft nicht mehr so einfach sei mit dem Klößen aber bisher hat es noch immer geklappt.

Nur letztens, da kam ich rein und die Hefekloßtruhe war abgeschlossen. Ich erkundigte mich bei Käufi und der sagte, es sei nicht mehr erwünscht, dass blonde Frauen aus Berlin die Klöße wegkauften. Verständlicherweise war ich schockiert, der Stoff, den ich dringend brauchte, sollte auf einmal unerreichbar sein? Vorerst mal noch sachlich, fragte ich nach Gründen. Die waren natürlich der totale Witz: Das könnte die Haare schädigen, die Kühltruhe muss immer ausgelastet sein, ich solle lieber Joghurt kaufen. Den finde ich jedoch ekelhaft.

Also flippte ich aus: Ich schrie, schmiss mich hin, streckte die Füße in die Luft. Als ich fertig war, guckte ich Käufi erwartungsvoll an. Ich erwartete, dass er ob meiner Verzweiflung einlenken würde, er sagte jedoch nur eisern “Na und?”. Wieder tickte ich aus. Hinschmeißen, Füße und Arme gen Himmel strecken, zappeln, brüllen Haare raufen, trampeln…. Nichts. Danach versuchte ich es anders: Och bütteee, büüüüttttte, bühühütttäääää!!! Nichts. Dann weinte ich, guckte traurig, kündigte Depressionen an, machte schwarze Augen… Immer noch nichts.

Es macht einen echt fertig, so machtlos zu sein. Also drehe ich den Spieß jetzt um: Ich verzichte auf die Klöße. Die können mir mal gestohlen bleiben. Und wenn Käufi mich irgendwann anfleht, doch wieder Klöße zu nehmen – ich bleibe hart. Und jedesmal, wenn ich an der Truhe vorbeigehe, gucke ich weg und lassen mir nicht anmerken, wie süchtig ich eigentlich danach bin.

hefe.gif

Ab jetzt ist das Zeug tabu. Macht eh nur dick, der Hefekloß.

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