Es folgt noch ein kleiner Bericht zur Parisreise. Man vergisst ja alles so schnell…. haach ja.
Donnerstag
Um 0800 gings in Stuttgart mit dem TGV los. Also es sollte losgehen. Der Zug fuhr ca. 2 m und stand dann wieder. Es kam eine Durchsage, dass es ein Problem mit der Lok gäbe. Der Zug war proppenvoll und wir überlegten schon, wie das wohl aussähe, wenn die ganzen Leute aussteigen und in einen anderen Zug wechseln müssten. So eine TGV-Lok ist ja nicht einfach zu ersetzen. Als ein Mitarbeiter mit einem voll beladenen Karren draußen vorbeifuhr, witzelten wir, dass das nun die Ersatzteile kämen und tatsächlich ging es auch schon nach einer halben Stunde dann doch los. Bis Strasbourg merkte man allerdings gar nichts von der grande vitesse. Danach allerdings sausten wir, ohne noch einmal zu halten, durch bis Paris Gare de l’est.
Wir hatten uns an einer Metrostation mit Dele verabredet. Zuerst mal mussten wir allerdings Tickets kaufen. Wir hatten uns schon überlegt, dass es am besten sei, ein Carnet, eine 10er-Packung Tickets für die Zonen 1 und 2 (reicht vollkommen für die Innenstadt). So ein Carnet kostet 11,10 Euro. Vor uns kauften andere deutsche Touris ein 5-Tage-Ticket für 27 Euro. Damit kann man unbegrenzt oft in Zone 1 und 2 fahren. Man kann aber die wichtigen Sachen in Paris auch “erlaufen”, da viele Sehenswürdigkeiten nah beieinander sind. Verfahren haben wir dann letztendlich zu zweit 26 Tickets.
Dele übergab uns den Wohnungsschlüssel und wir brachten unser Gepäck in die Wohnung.
Dann zogen wir wieder los. Sahen uns schon mal den Eiffelturm an – wir wohnten fast gegenüber an der Metrostation Trocadéro (was echt sehr super war!!!) – und liefen dann an der Seine entlang Richtung Louvre. Da sollten so Parks sein – das waren aber mehr lichte Ansammlungen von Bäumen, ein ca. 20 m breiter Streifen neben einer fetten Straße. Das war also leider nicht so schön, wie ich es mir vorgestellt hatte. Vorbei gings am imposanten Dach vom Grand Palais.
Auf dem Place de la Concorde beguckten wir den Obelisk von Luxor, der sich allerdings als ungeeignet zum Fotografieren erwies. So ein aufrechtes langes dünnes Teil passt einfach schlecht aufs Bild. Vielleicht hätten wir es so machen sollen wie ein anderer Touri, der die Kamera so hielt, dass der Obi diagonal im Bild war. Ich fands dann besser, genau diesen Touri zu knipsen, der mit seiner Frau echt eine super Touri-Parodie abgab!

Durch den Jardin des Tuileries näherten wir uns dann langsam dem Louvre. Von dort liefen wir dann zur Metrostation Chaussée d’Antin, da wir uns dort mit Anne, einer weiteren Ostergästin trafen, die von uns den Schlüssel für die Wohnung bekam.
Danach, dann schon in nächtlicher Dunkelheit fuhren wir zur Kirche Notre Dame. Ohne Anstehen konnten wir auch gleich rein und hatten noch das Glück, eine Messe mitzuerleben. Zuerst zog eine Prozession von Würden-, Bibel-, Gewand- und Kreuzträgern sowie ein Weihrauchschwenker durch die Kirche. Ich fand es mal interessant zu sehen, auf welche Arten die Leute so die Hände falten: Finger verschränkt, halb verschränkt, nebeneinander, Daumen überkreuz, nebeneinander, drehend, wackelnd… Alles was sich vorn auf der “Bühne” abspielte wurde auf Flachbildschirme, die überall in der Kirche hingen, übertragen, so dass man alles gut sehen konnte. Das Orgelspiel war für mich ein bissel zu modern, aber den Gesang, Solo und Chor, den fand ich echt gut.

Auf dem Rückweg spazierten wir dann unten direkt an der Seine entlang. Das war wirklich schön beschaulich und ein wenig verwunderlich, dass dort unten nur ein paar Jogger aber keine Touris unterwegs waren. Der Eiffelturm blinkt abends ja zu jeder vollen Stunde ganz wild für 10 Minuten. Der Anblick ist von halb schräg unten noch mal besser als so von weitem frontal, wie oft auf Fotos zu sehen.

Viel zu spät kamen wir zu Hause an. Aber für den Wein hats noch gereicht.
Freitag
Gemütlich fing der Tag an, frisches Baguette war ein Muss. Gegen 11 brachen wir auf zum Louvre.
Über den laut Reiseführer “wenig bekannten” Eingang wollten wir hinein. Da aber vermutlich alle Reiseführer den Eingang als “wenig bekannt” beschreiben, ist er inzwischen wohl doch etwas bekannter, was sich in der Realität als 200 m lange Menschenschlange darstellte. Da nicht ganz klar war, ob die Leute, die dort standen schon Karten hatten, gingen wir zum Anfang der Schlange. Als wir nach ca. 5 Minuten dort ankamen, waren wir schon etwas frustriert und beschlossen, morgen noch einmal, dann aber richtig früh zu kommen.
Wir sammelten unsere Französischkenntnisse zusammen und fragten eine Security-Frau, wann denn das Museum aufmacht und wann man dann am besten kommen sollte. Sie sagte, dass es jetzt gerade zu Ostern schlecht sei und man sich am besten 0830 anstellen solle. Dann auf einmal winkte sie uns, wir sollten ihr folgen und sie schleuste uns direkt vorn an der Schlange (die übrigens nur an der Taschendurchleuchtung anstand) vorbei!!! Da kann man natürlich nicht nein sagen und sehr überrascht standen wir dann drinnen unter der Glaspyramide.
Eintrittskarten kauft man an Automaten. Es gab zwei Ausstellungen: die normale Dauerausstellung und eine temporäre Babylon-Exposition. Der Verehrte wollte v.a. diese sehen und da gab es also dann ein Kombiticket für 13 Euro, mit dem man beide Ausstellungen ansehen konnte.
In der “Babylon” gab es als tollstes Exponat den Code d’Hammurabi, die wichtigste Rechtssammlung des Alten Orients, in Keilschrift eingemeißelt auf einer 2,25 m hohen Dioritstele. (“Wenn ein Mann einen anderen beschuldigt und es nicht beweisen kann, wird er zum Tode verurteilt.”) Ich hatte eigentlich gedacht, dass dort vielleicht sogar das Ischtartor aufgebaut ist, das ich schon im Pergamonmuseum gesehen hatte und das echt beeindruckend ist. Es hieß nämlich, dass es in der “Babylon” auch Exponate aus Berlin gibt. Es gab dann zwar ein paar schöne Reliefs aus glasierten Ziegeln aber ansonsten nicht so beeindruckende Sachen. Zumindest für uns Nicht-Fachleute. Der Verehrte meinte später, dass das alles Abzocke sei, weil sie die Stele aus ihrer eigenen Sammlung rausgenommen hatten und man die üblicherweise auch in der normalen Mesopotamien-Sammlung sehen könnte. Stimmt wohl zum Teil und die Mesopotamien-Abteilung war auch wesentlich besser als diese Sonderausstellung.
Über mehrere Stunden wandelten wir dann durch die Kunsthandwerke, die Gemächer Napoleons III., die Griechen, Etrusker, Römer, beguckten die Mona Lisa und viele weitere Gemälde, mesopotamische Kunst, die Reste des mittelalterlichen Louvre im Untergrund, verpassten das Pharaonische Ägypten, die Islamische Kunst und die französischen Skulpturen.

Gern hätten wir uns die deutschen Gemälde angesehen (bes. Dürer) aber die Abteilung war leider geschlossen. Und irgendwann konnte ich auch echt nicht mehr laufen. Der Proviant war auch alle, also verließen wir gegen 2100 das Louvre.Wir trafen uns dann noch auf ein Weinchen mit Anne und fielen später nur noch ins Bett.
Samstag
Wieder sehr gemütlich begann der Tag. Wir gingen erstmal einkaufen, da der Verehrte abends Schupfnudeln machen wollte und dafür noch Zutaten brauchte.
Erst kurz vor 1300 machten wir uns auf den Weg zur Kirche Sacré-Cœur, die tourimäßig schon völlig überlaufen war. Dank des guten Durchschleusungsmanagements kamen wir aber sehr schnell hinein.
Wir spazierten dann noch im Viertel ein bisschen herum und beguckten die Maler auf dem Place du Tertre und fuhren dann ins Quartier Latin.
Dort sahen wir uns zuerst die Kirche St-Séverin an und dann das Panthéon. Dies ist ein als Kirche entworfener Bau, welcher mehrfach den Zweck wechselte: Kirche – Begräbnis- und Gedenkstätte für die Helden der Revolution – Kirche – nicht-Kirche – Kirche – und heute wieder nicht-Kirche. Drin waren wir aber nicht.

Beim Spazieren Richtung Île de la cité kamen wir an einen Immobilienhändler vorbei. Für läppische 485.000 Euro hätten wir uns fast eine 38 m2-Wohnung gekauft.
Mit ständig wechselnden Wetterereignissen (Graupel, Sonne, grauer Himmel, blauer Himmel, Hagel) wanderten wir vorbei an Notre Dame, Richtung Champs Elysees. Bei schönstem ähh Regen erreichten wir den Arc de Triomphe. Da war ich doch ganz froh, dass ich mir die regendichte Jacke gekauft hatte.
Zu Hause gabs dann doch nur Nudeln aber mit einer sehr leckeren Soße, die der Verehrte und Holger kochten.
Die anderen stürzten sich dann noch ins Nachtleben, ich machte einen schönen Nachtspaziergang. Dieser führte unter dem Eiffelturm durch. Man sieht den ja wirklich oft auf Bilder und meint dann schon fast, dass es ja nun eigentlich nicht so aufregend sein kann, wenn man dann in echt dort ist. Aber wenn dieser fette Megaturm über einem aufragt und man so direkt die Dimensionen erfasst, dann ist das schon was völlig anderes. Ich lief dann noch bis zum Dôme des Invalides, weil der so schön beleuchtet war. Und leichtsinnigerweise beschloss ich dann auch noch, einmal um das ganze Areal herumzulaufen. Dieses hat nämlich doch sehr große Ausmaße. Und ich hatte den Wohnungsschlüssel und nun schon Angst, dass ich nicht vor den anderen zurück bin. Hat aber dann doch geklappt.
Sonntag
Nach einem ausgiebigen Osterfrühstück brachen wir alle zusammen zu einem kleinem Spaziergang auf. Die anderen wollten auch endlich mal an der Seine langlaufen und Notre Dame sehen. Im Jardin des Tuileries machten wir dann auch unser kleines Picknick, für das wir extra Baguette, Käse und Wein herumgeschleppt hatten. Es war zwar echt kalt, aber mit Wein ist doch die Welt gleich ein bisschen wärmer.

Und dann gab es endlich die Schupfnudeln! Anne knetete, wir rollten, Dele briet, alle aßen. Es war dann doch mal wieder sehr lecker, obwohl das Sauerkraut zuerst nicht so der Hit war.
Am Abend ging es dann auf den Eiffelturm. Wegen Wind war die 3. Plattform gesperrt, so dass wir dann genug Zeit hatten, über die Treppen zur ersten und zweiten zu kraxeln. Das ging aber auch echt gut und man nähert sich so langsam der Höhe. Außerdem ist die Treppe mit Schildern dekoriert, auf denen Anektdoten zum Werden und Sein des Turms aufgeschrieben sind. Und billiger ist es auch noch: Kostet dann nämlich nur 4 Euro.
Montag
Wieder ließen wir uns viel Zeit mit dem Frühstück. Irgendwann gings dann los zur Conciergerie und zur Saint Chapelle, in der man gar herrliche Glasfenster findet! Streng nach Zeitplan.

Wir hatten nämlich nur 2,5 Std Zeit. Danach, nach einem Kaffee bei Holger fuhren wir auch schon wieder nach Deutschland zurück.



