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Posts Tagged ‘Raps’

Frauen unter sich …

Da sage einer, dass Samen zählen einfach sei: Es heißt, dass ein Samen als gekeimt gilt, wenn er eine 2 mm lange Wurzel hat.

Die TA (technische Assistentin) im Labor erklärte weiter, dass es da auch “schlechte Some” gäbe. “Die send so woich, des merkt mer gleich”. Leider habe ich den Fehler, dass ich mich mit simplem oder besser: infantilen Erklärungen nicht zufrieden gebe. Nun hatte ich die TA schon mal was gefragt, worauf sie keine befriedigende Antwort geben konnte.

Also wollte ich sie nicht mit einer weiteren Frage bloßstellen und fragte die Betreuerin, was denn eigentlich mit den Samen sei, die schon eine über 2 mm lange Wurzel haben, von der dann aber die Spitze braun wird. Es könnte ja sein, dass die braune Spitze (gesunde Wurzeln sind weiß) erst später, also nach dem Wachstum der 2 mm aufgetreten ist. Könnte es nicht sein, dass in dem feuchtwarmen Milieu im Keimschrank, ohne Duchlüftung irgendwann eine Pilzinfektion auftritt und die Wurzel eigentlich vorher gesund war? Immerhin gibt es keine Fungizide im Wasser und Pilzkeime schwirren ja überall rum.

Zuerst meinte die Betreuerin entrüstet: Also nein, braune Spitze – sowas gibts ja gar nicht, das ist ja noch NIIIIEEE vorgekommen. Und sie sei ja nun schon (sie überlegte eine irre hohe Zahl) xx Jahre hier und habe schon (nochmals Überlegung einer irre hohen Zahl) xx Versuche durchgeführt. Also, noch NIIIEEEE hatte jemand solche Probleme … naja und so weiter. Und eigentlich hatte sie gar keine Zeit, weil im 10 Minuten noch einen Termin.

Ich sagte dann, dass die gekeimten Samen im Labor stünden und sie die ja vielleicht mal ansehen könnte. Freundlicherweise sagte ich nicht, dass ich die ganzen Erklärungen zum Reihern fände, sondern nur, dass ich mir nun einfach unsicher sei, wie ich zählen sollte. (Bitte an dieser Stelle Lob für meine Diplomatie!)

Im Labor dann trafen sich also die TA und die Betreuerin, ich stand in der Mitte und führte die Samen vor.

Und dann musste ich mir von rechts und links ein Trommelfeuer von Argumenten anhören: Die Some send schlecht, seien von vornherein schon minderwertig, wenn sie nicht am nach einem Tag gekeimt hätten, i hans doch gsait, nein, die Bedingungen sind optimal im Keimschrank, die gebeizten Samen sind aber besser, weil sie schon Fungizid bekommen haben, i hans doch gsait, manch sind halt mickrig, genau des henni do scho gesait, dann zählt man halt beim nächsten Mal besser, genauso so han i’s auch gsait.

Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass ich hier an etwas gerührt hatte, was man unter keinen Umständen anrühren sollte – so wie die sich aufregten und mich versuchten zu bearbeiten. Bald wünschte ich mir nur noch, hier raus zu kommen. Und die 10 Minuten waren auch schon lang um. Das merkte ich dann mal an und ruckzuck löste sich das Gegacker auf und ich konnte flüchten!

Was für eine erfrischende Erfahrung!

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Irrtum

Jedem Studi droht zum Abschluss des Studiums eine irgendwie geartete halbwegs selbstständig erstellt Arbeit.

Meine sollte schnell gehen, nicht mit Dreck von Feld oder Wiesen verbunden sein, ohne Reiseaktivitäten auskommen und mögich einfach von zu Hause aus zu erledigen sein.

Gedacht – gelesen: die Ausschreibung einer Arbeit zu Dormanz (Keimruhe) bei Rapssamen. Gleich zur Betreuerin, hörte sich alles super an: Ein paar kleine Keimversuche (untersucht werden soll, ob und welchen Einfluss Beizmittel auf die Keimung haben), so ca. 4 wochen lang einmal die Woche die gekeimten Samen zählen und locker nach 3 Monaten fertig sein. Die Betreuerin meinte, vielleicht seien die reinen Keimversuche zu Beize etwas wenig, man könne ja auch noch ein bisschen den Einfluss des TKG (Tausendkorngewichts) untersuchen. Klar wieso nicht.

Natürlich sind dazu auch einige Vorbereitungen zu treffen: Man muss Petrischalen beschriften, Samen in 100er-Gruppen auszählen (dazu gibt es glücklicherweise eine Maschine), Versuchsplan erstellen. Dazu war ich heute am Institut. Eine überaus freundliche Mitarbeiterin hatte mir schon den Versuchsplan gemacht.

Und ich schaute mir an, welche Sorten die beauftragende Saatgutfirma geschickt hatte. Irgendwie sah das viel aus, ich war irritiert. Als ich mir (noch relativ gelassen) den Ablauf erklären ließ, lichteten sich die Schleier: Es sollen 4 Sorten untersucht werden. In jeweils 3 Beizvarianten. Das wären dann 12 Versuche. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, macht man alle Versuche in vierfacher Ausführung – also wären wir schon bei 48. Jeder Versuch wird wie gesagt mit 100 Samen durchgeführt – also sind wir bei 4800 Samen, die ich begucken muss.

Und dann der Schock:
Aus der kleinen TKG-nebensächlichen-mini-Untersuchung wurde plötzlich ein größerer Versuch als der Beizversuch. Wieder sollen 4 Sorten getestet werden. Und die gibt es in jeweils 4 Partien, damit wären also 16 verschiedene “Sorten” zu untersuchen. Alles natürlich wieder in 4facher Ausführung womit wir dann bei ungefähr 524987 Körners wären. Gefühlte Schätzung. Vielleicht kann ja mal einer nachrechnen und mir sagen, dass es nur 524986 sind.

Wieso passiert mir sowas???? Ich wollte was gaaaaanz einfaches!! Irgendwer muss das in den falschen Hals gekriegt haben. Statt vier gemütlichen Zählterminen erwarten mich jetzt … ach schitt, bei 20 hab ich aufgehört zu zählen. Ich muss jetzt quasi jeden Tag ins Labor! Buhuuuu – so war das nicht gedacht!!! Ick will weg!

So langsam fühle ich mich, als ob da jemand von innen nagt – mich so ganz genüßlich von innen mit den Zähnen abschabt. Mahlzeit.

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