Dieser große Unterholzbrüter ist in Mitteleuropa nur selten anzutreffen.
Schon allein mit einer Größe von über 150 cm und einer Schwanzlänge von 30 – 35 cm ist er ein äußerst auffälliger Geselle. Auch wegen der ungewöhnlichen Blaufärbung versucht der G. schnabulensis meist, sich tagsüber im Unterholz zu verstecken.
Obwohl er sehr wasserscheu ist, lebt er gern an langsam fließenden Gewässern. Oft sieht man ihn dann in der Dämmerung andächtig am Ufer sitzen und hat fast den Eindruck, als würde er dem Plätschern der Wassers lauschen. Der kenntnisreiche Beobachter weiß jedoch, dass dies seine Strategie ist, Wasseramseln anzulocken. Diese Vögeln machen unter Wasser Jagd auf Wassertiere und suchen zwischen den Tauchgängen Aussichtsplätze auf. Ein scheinbar bewegungloser G. schnabulensis scheint dafür oft ideal.
Sobald die Amsel dann Platz genommen hat, beginnt für den G. schnabulensis der wichtigste Teil seines Daseins. Er fährt seine extrem beweglichen Augen aus und starrt die Amsel an. Dabei synchronisiert er seine Bewegungen geschickt mit den Bewegungen der Wellen, so dass die Wasseramsel oft völlig ahnunglos sitzen bleibt.
Dies bezeichnet auch schon eine weitere biologische Besonderheit dieses stillen Waldbewohners: Energie bezieht er nahezu ausschließlich aus dem Anstarren von Vögeln. Jedoch sind für die Höhe des Energiegewinns die angestarrte Art und der Abstand zu dieser ausschlaggebend. Energiereiche Arten und somit Hauptnahrungsquelle des G. schnabulensis sind z.B. der Gänsegeier (Gyps fulvus – von da Name abgeleitet), der Bienenfresser oder auch der Adlerbussard.
Um eine größere Starrnähe zu erreichen, sucht der G. schnabulensis gern erhöhte Plätze auf, die er – als untalentierter Kletterer – dann unter Aufbietung all seiner Kräfte besteigt und dort dann oft tagelang verharrt.

Sein Revier markiert der G. schnabulensis mit Nagegeräuschen. Die einzig zu diesem Zweck existierenden und ständig nachwachsenden Nagezähne setzt er bevorzugt an umfangreichen alten Laubbäumen an.

Das so entstehende Reviernagegeräusch hat oft Strophenform und wird in unterschiedlichen Geschwindigkeiten eingesetzt. Typische Klangfolgen sind: “Krchrk krkr chhhhrr kr-kr-kr” oder “kr-kr-kr krrrrr”.
Dieses Signalnagen setzt er auch bei der Suche nach einer Partnerin ein: Zwischen den einzelnen Strophen schlägt er dann jedoch mit dem Schwanz an die Nagestelle. Dies ist sehr energieaufwendig aufgrund der häufig notwendigen Drehungen, weshalb der G. schnabulensis nur in jedem zweiten Jahr nach einer Paarungsgesellin sucht.
Die Paarung und Fortpflanzung der G. schnabulensis ist noch weitgehend unerforscht, man weiß jedoch, dass das Weibchen, welches oft grau-braun gefärbt ist, versucht, sich nur für die Paarung eine blaue Farbe zuzulegen. Es wälzt sich dann im blühenden Leberblümchen oder versucht die Blaufärbung durch längeres Luftanhalten zu erreichen. Außerdem wurde schon beobachtet, dass das Männchen das typische Starren im Beiseins eines Weibchens oft reduziert und um so mehr mit dem Markieren seines Revieres beschäftigt ist. Das führt dann zu häufig zu Mangel an aufrechtstehenden Bäumen im Revier, wie auch auf den Fotos deutlich zu beobachten ist.

Da dann auch bald das Unterholz fehlt, wandert der G. schnabulensis häufig umher auf der Suche nach neuen Revieren.
Die Chance, dass er auch bei Ihnen eines Tages im Unterholz auftaucht ist also durchaus vorhanden. Möchten Sie einen G. schnabulensis zu sich locken, sollten Sie tunlichst vermeiden, Ihren Garten mit Tujahecken zu bestücken. Vereinzelt wurden Exemplare in Buchenhecken beobachtet. Legen Sie unbedingt eine Vogeltränke an, sorgen sie für einen erhöhten Aussichtspunkt und vielleicht schon morgen haben Sie “Ihren” G. schnabulensis im Garten.




